Zum Inhalt springen
projekttools.ch
HERMES

HERMES-Fehler vermeiden: Wo Projekte an der Methode scheitern

HERMES scheitert selten an der Methode selbst, sondern an ihrer Anwendung. Die typischen Fehler wiederholen sich — und lassen sich mit wenigen Grundsätzen vermeiden.

7 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Die häufigsten HERMES-Fehler sind ein ungefiltert übernommenes Standardszenario, Dokumente ohne erkennbaren Zweck, vermischte Rollen von Auftraggeber und Projektleitung, abgenickte Meilensteine und eine Methode, die neben dem tatsächlichen Projektalltag herläuft. Gegenmittel sind konsequentes Tailoring, Ergebnisse mit klarem Nutzen und Meilensteine als echte Entscheide.

Wenn die Methode zur Last wird

HERMES hat den Ruf, schwerfällig zu sein. Dieser Ruf stammt fast immer aus Projekten, in denen die Methode mechanisch angewendet wurde: jedes Ergebnis erstellt, jedes Modul durchlaufen, jede Vorlage gefüllt — unabhängig davon, ob das Projekt es brauchte. Richtig angewendet ist HERMES schlank. Die folgenden Fehler zeigen, wo es kippt.

Fehler 1: Das Standardszenario wird unverändert übernommen

Standardszenarien sind Ausgangspunkte, keine fertigen Projektabläufe. Wer ein Szenario für ein grosses Informatikvorhaben ohne Anpassung auf ein kleines Organisationsprojekt anwendet, erzeugt Aufwand ohne Nutzen. Gegenmittel ist das Tailoring: Module und Ergebnisse, die keinen Beitrag leisten, werden begründet weggelassen.

Fehler 2: Dokumente ohne Zweck

Ein Ergebnis ist in HERMES kein Selbstzweck. Jedes Dokument sollte helfen, zu entscheiden, zu steuern oder etwas weiterzugeben. Wird ein Dokument nur erstellt, weil es in der Liste steht, und danach von niemandem gelesen, fehlt ihm diese Funktion. Eine einfache Frage hilft: Wer nutzt dieses Ergebnis wofür? Findet sich keine Antwort, gehört das Ergebnis auf den Prüfstand.

Faustregel

Die Methode dient dem Projekt, nicht umgekehrt. Wo ein HERMES-Element keinen erkennbaren Nutzen stiftet, setzt das Tailoring an — nicht die Pflichterfüllung.

Fehler 3: Vermischte Rollen

Greift der Auftraggeber in operative Details ein, verliert die Projektleitung ihre Führungsfunktion. Trifft umgekehrt die Projektleitung strategische Entscheide, weil der Auftraggeber nicht verfügbar ist, übernimmt sie eine Verantwortung, die ihr nicht zusteht. Beide Muster sind häufig und schwächen die Steuerung. Klare Rollenbeschreibungen, eine benannte Stellvertretung des Auftraggebers und regelmässige Entscheidungstermine verhindern das.

Fehler 4: Meilensteine werden abgenickt

Ein Meilenstein ist ein Entscheid, kein Kalendereintrag. Wird er ohne echte Prüfung bestätigt, geht der wichtigste Steuerungshebel von HERMES verloren. Gute Meilensteinsitzungen haben vorab bekannte Kriterien, eine klare Empfehlung der Projektleitung und genug Zeit für eine echte Diskussion über Fortführung, Anpassung oder Abbruch.

Fehler 5: Methode und Alltag laufen nebeneinander

In manchen Projekten existiert HERMES nur in der Dokumentation, während die tatsächliche Arbeit in E-Mails, Tabellen und Chats koordiniert wird. Dann stimmt der dokumentierte Stand nie mit der Realität überein, und Berichte werden zur Aufbereitungsarbeit. Wirksam wird die Methode erst, wenn Ergebnisse, Meilensteine und Aufgaben dort geführt werden, wo das Team ohnehin arbeitet.

Fehler 6: Agilität wird falsch integriert

HERMES erlaubt agile Umsetzung, aber sie muss sauber an die Steuerung angebunden werden. Typische Fehler sind doppelte Planung — ein klassischer Terminplan und ein Backlog, die sich widersprechen — oder agile Teams, die zusätzlich HERMES-Dokumente schreiben müssen, die niemand nutzt. Die Lösung liegt in klaren Schnittstellen: Das Team arbeitet agil, der Auftraggeber entscheidet an Meilensteinen auf Basis des gelieferten Stands.

Eine kurze Selbstdiagnose

SymptomWahrscheinliche Ursache
Das Team klagt über DokumentationsaufwandTailoring fehlt oder Ergebnisse ohne Nutzer
Entscheide bleiben liegenAuftraggeber nicht verfügbar, Stellvertretung fehlt
Statusberichte weichen vom Gefühl im Team abMethode und Alltag getrennt
Meilensteine verschieben sich ohne KonsequenzMeilensteine ohne Entscheidungskriterien

Fazit

Die meisten HERMES-Probleme sind Anwendungsprobleme. Wer konsequent tailort, Rollen klar trennt, Meilensteine als Entscheide versteht und Methode und Alltag in einem Werkzeug verbindet, erlebt HERMES nicht als Bürokratie, sondern als Rahmen, der Projekte steuerbar macht.

Diese Methode lässt sich in einem Projekt-Tool wie Flenio direkt abbilden — DACH-nativ und DSG-konform gehostet.

Häufige Fragen

Was ist der häufigste HERMES-Fehler?
Ein Standardszenario ohne Tailoring zu übernehmen. Das erzeugt Dokumentationsaufwand ohne Nutzen, besonders in kleinen Projekten.
Warum gilt HERMES als bürokratisch?
Weil die Methode oft mechanisch angewendet wird. Richtig getailort ist HERMES schlank.
Wie integriert man agile Teams ohne Doppelaufwand?
Über klare Schnittstellen: Das Team arbeitet agil, die HERMES-Steuerung entscheidet an Meilensteinen auf Basis des gelieferten Stands, ohne zusätzliche Paralleldokumente.