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Meilensteine

Meilensteine in HERMES: Phasenfreigaben und Entscheidungspunkte

HERMES liefert die Meilensteinstruktur mit — das ist der Vorteil. Der Aufwand verschiebt sich von der Konstruktion des Plans zur inhaltlichen Ausgestaltung der Kriterien.

8 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

In HERMES sind Meilensteine an Phasenenden gebunden und mit einem Entscheid des Auftraggebers verknüpft: Die nächste Phase wird erst freigegeben, wenn die für den Meilenstein definierten Ergebnisse vorliegen. Die Meilensteine ergeben sich damit aus dem gewählten Szenario und müssen nicht selbst erfunden werden.

Die Grundkonstruktion

HERMES, die Projektmanagement-Methode der Schweizer Bundesverwaltung, verbindet drei Elemente fest miteinander: Phasen gliedern den Ablauf, Ergebnisse sind den Phasen zugeordnet, und am Phasenende steht ein Entscheid des Auftraggebers. Dieser Entscheid ist der Meilenstein.

Das unterscheidet HERMES von Vorgehen, in denen Meilensteine frei gesetzt werden. Wer ein HERMES-Szenario wählt, erhält die Meilensteine als Teil des Modells — sie sind nicht Gegenstand der Planung, sondern deren Rahmen. Die Planungsarbeit besteht darin, den Phasen realistische Zeiträume zuzuordnen und die Ergebnisse inhaltlich zu bestimmen.

Was das für die Praxis bedeutet

  • Die Zahl der Meilensteine ist durch das Szenario vorgegeben, nicht durch Ihre Einschätzung.
  • Jeder Phasenübergang ist ein echtes Tor: Ohne Freigabe beginnt die nächste Phase formal nicht.
  • Die Kriterien sind an die Ergebnisse geknüpft — «welche Dokumente liegen vor» ist prüfbarer als eine freie Formulierung.
  • Der Auftraggeber ist als entscheidende Rolle explizit benannt, nicht implizit vorausgesetzt.

Der letzte Punkt ist in der Praxis der wertvollste. In frei geplanten Projekten bleibt oft offen, wer eine Phasenfreigabe eigentlich erteilt; die Frage stellt sich erst, wenn es kritisch wird. HERMES beantwortet sie vorab.

Zwischenmeilensteine ergänzen

Die vom Modell vorgegebenen Meilensteine liegen an den Phasenenden. Bei langen Phasen entstehen dadurch Abstände, die für die Steuerung zu gross sind — eine Realisierungsphase über neun Monate ohne Zwischenprüfung ist ein langer Blindflug.

Zusätzliche Meilensteine innerhalb einer Phase widersprechen HERMES nicht. Wichtig ist die Unterscheidung: Die Phasenfreigaben sind Entscheide des Auftraggebers, Ihre Zwischenmeilensteine sind Steuerungspunkte der Projektleitung. Machen Sie diesen Unterschied im Plan sichtbar, sonst entsteht Unklarheit darüber, wer wo entscheidet.

Tailoring

HERMES sieht die Anpassung an die Projektgrösse ausdrücklich vor. Reduziert werden dürfen Ergebnisse und Detaillierung — die Phasenfreigaben selbst sind der Kern des Modells und sollten erhalten bleiben.

Meilensteine bei agiler Umsetzung

HERMES lässt agile Umsetzung innerhalb der Phasen zu. Damit entstehen zwei Ebenen: Sprint-Enden als kurzzyklische Überprüfungspunkte des Teams und Phasenfreigaben als Entscheidungspunkte des Auftraggebers. Beide haben ihre Berechtigung und dürfen nicht vermischt werden.

Der praktische Fehler besteht darin, Sprint-Enden als Meilensteine im Projektplan zu führen. Das erzeugt zwanzig Einträge ohne Entscheidungsgehalt und macht die wenigen echten Freigabepunkte unsichtbar. Sprints gehören in die Teamplanung, Meilensteine in den Plan für den Auftraggeber.

Nutzen ausserhalb der Bundesverwaltung

Auch wer HERMES nicht anwenden muss, kann die Konstruktion übernehmen: Ergebnisse an Phasen binden, Phasenübergänge an einen Entscheid koppeln, die entscheidende Rolle vorab benennen. Diese drei Regeln sind vom Modell unabhängig und beheben die häufigsten Schwächen frei geplanter Meilensteine.

Diese Methode lässt sich in einem Projekt-Tool wie Flenio direkt abbilden — DACH-nativ und DSG-konform gehostet.

Häufige Fragen

Wie sind Meilensteine in HERMES definiert?
Als Entscheide des Auftraggebers an den Phasenenden. Die nächste Phase wird erst freigegeben, wenn die für die Phase definierten Ergebnisse vorliegen. Die Meilensteine ergeben sich damit aus dem gewählten Szenario.
Kann man in HERMES eigene Meilensteine ergänzen?
Ja. Zusätzliche Steuerungspunkte innerhalb einer Phase sind sinnvoll, wenn die Phase lang ist. Sie sollten im Plan von den Phasenfreigaben unterscheidbar bleiben, weil dort die Projektleitung steuert und nicht der Auftraggeber entscheidet.
Wie verhalten sich Sprints und HERMES-Meilensteine zueinander?
Sprint-Enden sind kurzzyklische Überprüfungspunkte des Teams, Phasenfreigaben sind Entscheidungspunkte des Auftraggebers. Sprints gehören in die Teamplanung und nicht als Meilensteine in den Projektplan — sonst werden die wenigen echten Freigabepunkte unsichtbar.