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HERMES

Der Auftraggeber in HERMES: Verantwortung, Entscheide, Präsenz

Kein anderer Faktor beeinflusst den Erfolg eines HERMES-Projekts so stark wie ein präsenter, entscheidungsfähiger Auftraggeber. Die Rolle ist klar beschrieben — in der Praxis aber oft nur auf dem Papier besetzt.

7 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Der Auftraggeber verantwortet in HERMES Nutzen und Mittel eines Projekts. Er gibt das Projekt frei, stellt Ressourcen bereit, trifft die Meilenstein-Entscheide und steuert über Statusberichte und Eskalationen. Die operative Führung liegt bei der Projektleitung; bei grösseren Vorhaben unterstützt ihn ein Projektausschuss.

Die Rolle auf der Stufe Steuerung

HERMES unterscheidet die Stufen Steuerung, Führung und Ausführung. Der Auftraggeber ist die zentrale Rolle der Steuerung: Er steht für das Warum und das Ob eines Projekts. Er entscheidet, ob ein Vorhaben startet, ob es nach einer Phase weitergeführt wird und ob es seinen Nutzen erbracht hat. Die Projektleitung auf der Stufe Führung verantwortet dagegen das Wie und das Wann.

AspektAuftraggeberProjektleitung
VerantwortetNutzen, Mittel, ZielerreichungUmsetzung innerhalb des Auftrags
EntscheidetFreigabe, Meilensteine, AbbruchOperative Massnahmen, Planung
BlickOrganisation und WirkungProjekt und Ergebnisse
InstrumenteMeilenstein-Entscheide, EskalationPlanung, Controlling, Führung des Teams

Die Aufgaben im Einzelnen

  • Projekt in Auftrag geben und den Projektauftrag freigeben.
  • Ressourcen und Budget bereitstellen und gegenüber der Linie absichern.
  • An jedem Meilenstein über Fortführung, Anpassung oder Abbruch entscheiden.
  • Eskalationen der Projektleitung zeitnah beantworten.
  • Das Projekt in der Organisation vertreten und Widerstände auf seiner Ebene lösen.
  • Am Ende den Projektabschluss und die Zielerreichung beurteilen.

Der Projektausschuss

Bei grösseren oder bereichsübergreifenden Vorhaben wird der Auftraggeber durch einen Projektausschuss unterstützt, in dem etwa Fachbereich, Betrieb und weitere betroffene Einheiten vertreten sind. Der Ausschuss bündelt Interessen und erleichtert tragfähige Entscheide. Die Verantwortung bleibt aber beim Auftraggeber — ein Gremium ersetzt keine verantwortliche Person.

Klare Grenze

Die wichtigste Regel: Der Auftraggeber entscheidet über Rahmen und Fortführung, nicht über operative Details. Greift er ins Tagesgeschäft ein, entzieht er der Projektleitung die Führung — und übernimmt ungewollt ihre Verantwortung.

Was einen guten Auftraggeber ausmacht

Gute Auftraggeber sind erreichbar, entscheiden zügig und nehmen Meilensteine ernst, statt sie abzunicken. Sie formulieren klare Erwartungen und halten Rückschläge aus, ohne das Projekt reflexartig zu stoppen oder schönzureden. Und sie schützen das Projekt vor konkurrierenden Prioritäten der Linie, indem sie Ressourcenzusagen einhalten.

Warnsignale in der Praxis

  • Meilenstein-Entscheide werden verschoben, weil der Auftraggeber keine Zeit hat.
  • Die Projektleitung trifft faktisch strategische Entscheide, weil niemand anders entscheidet.
  • Der Auftraggeber wechselt während des Projekts, ohne dass der Auftrag bestätigt wird.
  • Eskalationen bleiben wochenlang unbeantwortet.

Treten solche Signale auf, lohnt ein offenes Gespräch über die Rolle — notfalls mit einer Anpassung der Projektorganisation. Die Rollenbeschreibung lässt sich mit einer RACI-Matrix sichtbar machen: Wer entscheidet, wer führt aus, wer wird informiert?

Auftraggeberrolle in kleinen Organisationen

In KMU und kleinen Gemeinden ist der Auftraggeber oft zugleich Geschäftsleitungsmitglied, Linienvorgesetzter und Fachexperte. Das erleichtert schnelle Entscheide, verwischt aber die Rollen. Hilfreich ist, bewusst zwischen den Hüten zu wechseln: In der Meilensteinsitzung entscheidet die Person als Auftraggeber über Fortführung und Mittel; im Fachworkshop arbeitet sie als Expertin mit, ohne dort Führungsentscheide der Projektleitung zu übersteuern.

Ebenso wichtig ist die Stellvertretung. Fällt der Auftraggeber für mehrere Wochen aus, darf das Projekt nicht stillstehen. Eine im Projektauftrag benannte Stellvertretung mit klarer Entscheidungsbefugnis verhindert, dass Meilenstein-Entscheide aufgeschoben oder von der Projektleitung faktisch selbst getroffen werden. Auch ein Wechsel des Auftraggebers während der Laufzeit verdient einen formalen Schritt: Die neue Person bestätigt den bestehenden Projektauftrag oder passt ihn bewusst an.

Auftraggeber und Steuerungswerkzeug

Ein Auftraggeber steuert über wenige, aber verlässliche Informationen: Meilensteinstatus, Kosten- und Terminabweichungen, offene Entscheide, Top-Risiken. Ein Werkzeug, das genau diese Sicht ohne Aufbereitungsaufwand liefert, erleichtert die Rolle erheblich — und macht Meilenstein-Entscheide zu echten Entscheidungen statt zu Präsentationsterminen.

Diese Methode lässt sich in einem Projekt-Tool wie Flenio direkt abbilden — DACH-nativ und DSG-konform gehostet.

Häufige Fragen

Was macht der Auftraggeber in HERMES?
Er verantwortet Nutzen und Mittel, gibt das Projekt frei, stellt Ressourcen bereit, entscheidet an den Meilensteinen und beantwortet Eskalationen.
Worin unterscheiden sich Auftraggeber und Projektleitung?
Der Auftraggeber steuert auf Stufe Steuerung und entscheidet über Rahmen und Fortführung. Die Projektleitung führt das Projekt operativ innerhalb dieses Rahmens.
Braucht jedes Projekt einen Projektausschuss?
Nein. Ein Ausschuss lohnt sich bei grösseren oder bereichsübergreifenden Vorhaben. Die Verantwortung bleibt auch dann beim Auftraggeber.