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HERMES

Der Projektauftrag in HERMES: Inhalt, Freigabe und Pflege

Der Projektauftrag ist das Dokument, an dem sich ein HERMES-Projekt über seine gesamte Laufzeit messen lässt. Er hält fest, was erreicht werden soll, in welchem Rahmen — und wer dafür geradesteht.

7 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Der HERMES-Projektauftrag legt Ziele, Umfang, Rahmenbedingungen, Organisation, Termine und Kosten eines Projekts verbindlich fest. Er entsteht in der Initialisierung auf Basis der Studie und wird vom Auftraggeber freigegeben. Ändern sich Ziele oder Rahmen wesentlich, wird er formal angepasst.

Was der Projektauftrag leistet

Der Projektauftrag ist die Vereinbarung zwischen Auftraggeber und Projektleitung. Er übersetzt die in der Studie empfohlene Lösungsrichtung in einen verbindlichen Rahmen: Was soll erreicht werden, was ausdrücklich nicht, mit welchen Mitteln, bis wann und in welcher Organisation. Damit wird er zum Referenzdokument für jeden späteren Entscheid — an jedem Meilenstein lässt sich prüfen, ob das Projekt noch innerhalb dieses Rahmens liegt.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Studie: Die Studie untersucht und vergleicht, der Projektauftrag legt fest. Die Studie darf offen formulieren und Varianten nebeneinanderstellen; der Projektauftrag muss eindeutig sein.

Die Inhalte im Überblick

AbschnittLeitfrage
AusgangslageWarum gibt es dieses Projekt?
ZieleWas ist am Ende messbar anders?
Umfang und AbgrenzungWas gehört dazu, was ausdrücklich nicht?
LösungsrichtungWelche Variante aus der Studie wird umgesetzt?
RahmenbedingungenWelche rechtlichen, technischen und organisatorischen Vorgaben gelten?
ProjektorganisationWer ist Auftraggeber, Projektleitung, wer ist beteiligt?
Termine und MeilensteineWann soll was vorliegen?
Kosten und RessourcenWelche Mittel stehen zur Verfügung?
RisikenWelche grösseren Risiken sind bekannt?

Ziele richtig formulieren

Der häufigste Mangel eines Projektauftrags sind Ziele, die sich nicht überprüfen lassen. «Die Zusammenarbeit verbessern» oder «Prozesse digitalisieren» beschreiben eine Richtung, aber keinen Zustand. Brauchbar wird ein Ziel, wenn es einen Ausgangswert, einen Zielwert und einen Zeitpunkt nennt — etwa die Durchlaufzeit eines Gesuchs bis zu einem Stichtag von zehn auf drei Arbeitstage zu senken. Nur solche Ziele erlauben am Projektende eine ehrliche Aussage über den Erfolg.

Abgrenzung

Der Abschnitt «nicht Gegenstand dieses Projekts» ist oft der wirksamste. Drei klare Nichtziele verhindern mehr Umfangserweiterung als jedes spätere Änderungsverfahren.

Freigabe und Verbindlichkeit

Der Projektauftrag wird vom Auftraggeber freigegeben — typischerweise zusammen mit dem Entscheid am Ende der Initialisierung. Mit der Freigabe übernimmt der Auftraggeber die Verantwortung für Nutzen und Mittel, die Projektleitung die Verantwortung für die Umsetzung innerhalb des vereinbarten Rahmens. Diese Rollenverteilung ist nur so klar wie der Auftrag selbst.

Wann der Auftrag angepasst werden muss

Ein Projektauftrag ist kein unveränderliches Dokument, aber auch keines, das stillschweigend überholt werden darf. Ändern sich Ziele, Umfang, Budget oder Termine wesentlich, wird der Auftrag formal angepasst und erneut freigegeben. Kleinere Verschiebungen innerhalb der vereinbarten Toleranzen steuert die Projektleitung selbst. Wo diese Grenze liegt, sollte der Auftrag selbst festhalten — etwa über definierte Toleranzen für Kosten und Termine.

  1. 01
    Abweichung erkennenDie Projektleitung stellt fest, dass Ziele, Kosten oder Termine den vereinbarten Rahmen verlassen.
  2. 02
    Auswirkung darstellenFolgen für Nutzen, Kosten, Termine und Risiken nachvollziehbar aufbereiten.
  3. 03
    Entscheid einholenDer Auftraggeber entscheidet über Anpassung, Umplanung oder Abbruch.
  4. 04
    Auftrag nachführenDie neue Fassung wird versioniert und kommuniziert.

Projektauftrag und Projektmanagementplan

Oft werden Projektauftrag und Projektmanagementplan vermischt. Der Unterschied ist einfach: Der Auftrag beschreibt, was im Rahmen welcher Mittel erreicht werden soll, und wird vom Auftraggeber freigegeben. Der Projektmanagementplan beschreibt, wie die Projektleitung dieses Ziel erreicht — Vorgehen, Planung, Organisation im Detail, Kommunikation, Qualitäts- und Risikomanagement. Der Auftrag ist stabil und ändert sich nur durch Entscheid; der Plan ist ein Arbeitsinstrument, das die Projektleitung laufend nachführt.

In kleinen Projekten dürfen beide Dokumente zusammenfallen, solange klar bleibt, welche Teile verbindlich vereinbart sind und welche die Projektleitung selbst anpassen darf. Eine einfache Kennzeichnung der verbindlichen Abschnitte genügt oft, um spätere Diskussionen zu vermeiden. In grösseren Vorhaben sind getrennte Dokumente sinnvoll, weil sie unterschiedliche Adressaten haben: den Auftraggeber und den Projektausschuss auf der einen, das Projektteam auf der anderen Seite.

Projektauftrag im Alltag lebendig halten

Viele Projektaufträge verschwinden nach der Freigabe in einer Ablage. Wirksam bleibt der Auftrag, wenn seine Kernelemente — Ziele, Meilensteine, Verantwortlichkeiten — im täglichen Steuerungswerkzeug sichtbar sind und jeder Statusbericht auf sie Bezug nimmt. Eine kopierfertige Struktur für die eigene Fassung bietet unsere Projektauftrag-Vorlage.

Diese Methode lässt sich in einem Projekt-Tool wie Flenio direkt abbilden — DACH-nativ und DSG-konform gehostet.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Studie und Projektauftrag?
Die Studie untersucht Lösungsvarianten und gibt eine Empfehlung ab. Der Projektauftrag legt die gewählte Richtung mit Zielen, Umfang, Rahmen, Organisation, Terminen und Kosten verbindlich fest.
Wer gibt den Projektauftrag frei?
Der Auftraggeber, in der Regel mit dem Entscheid am Ende der Initialisierung.
Muss der Projektauftrag bei jeder Änderung angepasst werden?
Nein. Nur wesentliche Änderungen an Zielen, Umfang, Kosten oder Terminen verlangen eine formale Anpassung. Toleranzen im Auftrag regeln, was die Projektleitung selbst steuert.