Die HERMES-Fachsprache ruht auf wenigen Kernbegriffen: Rollen wie Auftraggeber und Projektleitung, Phasen mit Meilensteinen als Entscheidungspunkten, Module als Bausteine, Szenarien als Zusammenstellungen für einen Projekttyp, Tailoring als Anpassung an das konkrete Projekt und Ergebnisse wie Studie und Projektauftrag.
Warum eine gemeinsame Sprache zählt
In HERMES-Projekten treffen oft Menschen aus Fachbereich, Informatik, Betrieb und externen Firmen aufeinander. Missverständnisse entstehen selten bei komplizierten Themen, sondern bei vermeintlich klaren Wörtern: Ist ein «Meilenstein» ein Termin oder ein Entscheid? Ist die «Projektleitung» für das Budget verantwortlich oder der Auftraggeber? Ein gemeinsames Verständnis der Kernbegriffe spart Diskussionen und verhindert falsche Erwartungen.
Die Kernbegriffe
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Auftraggeber | Oberste Verantwortungsrolle; verantwortet Nutzen und Mittel und trifft die Meilenstein-Entscheide. |
| Projektleitung | Führt das Projekt operativ innerhalb des Projektauftrags. |
| Anwendervertretung | Vertritt die Interessen und Anforderungen der künftigen Nutzenden. |
| Phase | Zeitlicher Abschnitt des Projekts, z. B. Initialisierung, Konzept, Realisierung, Einführung. |
| Meilenstein | Entscheidungspunkt, meist am Phasenübergang, an dem über die Fortführung entschieden wird. |
| Modul | Baustein der Methode, der thematisch zusammengehörige Aufgaben, Ergebnisse und Rollen bündelt. |
| Szenario | Auf einen Projekttyp zugeschnittene Zusammenstellung von Modulen, Aufgaben und Ergebnissen. |
| Tailoring | Anpassung des Szenarios an Grösse, Komplexität und Risiko des konkreten Projekts. |
| Ergebnis | Definiertes Arbeitsprodukt, etwa Studie, Projektauftrag oder Konzept. |
| Studie | Ergebnis der Initialisierung mit Analyse, Lösungsvarianten, Bewertung und Empfehlung. |
| Projektauftrag | Verbindlicher Rahmen des Projekts mit Zielen, Umfang, Organisation, Terminen und Kosten. |
| Projektmanagementplan | Beschreibt, wie das Projekt geführt wird: Vorgehen, Planung, Organisation, Steuerung. |
Rollen: Steuerung, Führung, Ausführung
HERMES ordnet Rollen drei Stufen zu. Auf der Stufe Steuerung steht der Auftraggeber, bei grösseren Vorhaben unterstützt durch einen Projektausschuss. Auf der Stufe Führung steht die Projektleitung. Auf der Stufe Ausführung arbeiten Rollen wie Anwendervertretung, Fachspezialisten und Entwickler. Diese Stufung erklärt, warum HERMES so viel Wert auf die Trennung von Entscheiden über Rahmen und Fortführung einerseits und operativer Führung andererseits legt.
Struktur: Phasen, Meilensteine, Module
Phasen gliedern das Projekt zeitlich, Meilensteine markieren die Entscheidungspunkte zwischen ihnen. Module schneiden die Methode thematisch — etwa Projektsteuerung, Projektführung, Beschaffung oder Organisation. Ein Modul kann in mehreren Phasen Aufgaben haben. Wer diese zwei Achsen — zeitlich und thematisch — auseinanderhält, versteht den Aufbau der Methode.
«Meilenstein» wird im Alltag oft als wichtiger Termin verstanden. In HERMES ist er ein Entscheid des Auftraggebers auf Basis definierter Ergebnisse. Der Termin ist nur der Zeitpunkt, an dem dieser Entscheid fällt.
Anpassung: Szenario und Tailoring
Ein Szenario ist eine vorbereitete Auswahl von Modulen, Aufgaben und Ergebnissen für einen Projekttyp — etwa Individualentwicklung oder Beschaffung. Tailoring passt dieses Szenario an das konkrete Projekt an. Beide Begriffe zusammen erklären, wie HERMES gleichzeitig standardisiert und flexibel sein kann: Der Standard liefert die Struktur, das Tailoring die Passform.
Ergebnisse als roter Faden
HERMES ist ergebnisorientiert. Statt Tätigkeiten vorzuschreiben, definiert die Methode, welche Ergebnisse am Ende einer Phase vorliegen müssen, damit entschieden werden kann. Die wichtigsten Ergebnisse der Initialisierung — Studie, Projektauftrag und Projektmanagementplan — prägen das ganze Projekt. In späteren Phasen folgen unter anderem Konzepte, Testergebnisse und Abnahmedokumente.
Begriffe im Projektalltag verankern
Ein Glossar entfaltet seine Wirkung, wenn es früh im Projekt geteilt wird — idealerweise beim Kick-off, zusammen mit einer Übersicht, wer welche Rolle innehat. In mehrsprachigen Projekten lohnt es sich, die Begriffe in allen verwendeten Landessprachen festzuhalten, da die offiziellen HERMES-Begriffe auf Deutsch, Französisch und Italienisch nicht wörtlich übereinstimmen.
Diese Methode lässt sich in einem Projekt-Tool wie Flenio direkt abbilden — DACH-nativ und DSG-konform gehostet.
Häufige Fragen
- Was ist der Unterschied zwischen Modul und Szenario?
- Ein Modul ist ein thematischer Baustein der Methode. Ein Szenario ist eine Zusammenstellung von Modulen, Aufgaben und Ergebnissen für einen bestimmten Projekttyp.
- Was bedeutet Tailoring bei HERMES?
- Die Anpassung des gewählten Szenarios an Grösse, Komplexität und Risiko des konkreten Projekts.
- Ist ein Meilenstein in HERMES ein Termin?
- Nein, ein Meilenstein ist ein Entscheidungspunkt. Der Termin ist lediglich der Zeitpunkt, an dem der Entscheid gefällt wird.