In der Verwaltung des Kantons Zürich richtet sich die Tool-Auswahl nach HERMES-Abbildbarkeit, Schweizer Datenhaltung und Beschaffungsrecht (IVöB). Diese drei Filter greifen vor der Funktionsfrage — US-Cloud-Tools scheiden oft schon hier aus.
Der Kanton Zürich ist mit rund 1,6 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste der Schweiz und beheimatet das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Die kantonale Verwaltung ist entsprechend gross, mit zahlreichen Direktionen, Ämtern und einer aktiven Digitalisierungsagenda. Die Beschaffungsstelle des Kantons wickelt ein hohes Volumen an IT- und Dienstleistungsaufträgen ab, für die HERMES und das kantonale Beschaffungsrecht den Rahmen bilden.
Warum die Verwaltung Zürich eigene Anforderungen stellt
Als grösster Kanton führt Zürich viele parallele Verwaltungs- und IT-Projekte — von der Digitalisierung von Behördenleistungen über Fachanwendungen bis zu departementsübergreifenden Vorhaben. Der Massstab macht Standardisierung wichtig: HERMES sorgt für eine gemeinsame Projektsprache, das Beschaffungsrecht für faire und nachvollziehbare Vergaben. Ein Projektmanagement-Werkzeug muss sich in beide Rahmen einfügen.
HERMES und öffentliche Beschaffung: der Rahmen
Projektarbeit in der kantonalen Verwaltung bewegt sich in einem doppelten Rahmen. Erstens ist HERMES der etablierte Schweizer Projektmanagement-Standard; für IT- und Organisationsprojekte der öffentlichen Hand ist er faktisch gesetzt, oft verbindlich. Ein Werkzeug muss dessen Phasen, Rollen und Ergebnisse abbilden können. Zweitens unterliegt die Beschaffung eines Tools dem öffentlichen Beschaffungsrecht — kantonal geregelt über die Interkantonale Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IVöB) und, oberhalb der Schwellenwerte, über das WTO-Beschaffungsübereinkommen (GPA).
Praktisch heisst das: Wer in der Verwaltung ein Projektmanagement-Tool auswählt, entscheidet nicht nur nach Funktionen. Datenhaltung, Nachvollziehbarkeit und Beschaffungskonformität sind die vorgelagerten Filter — und erst danach zählt, wie gut das Werkzeug den Alltag der Projektteams unterstützt.
Datenhaltung: in der öffentlichen Hand oft eine Vorgabe
In vielen kantonalen Kontexten ist die Datenhaltung in der Schweiz keine Kür, sondern Vorgabe — sei es aus kantonalem Datenschutzrecht, aus dem revidierten eidgenössischen DSG oder aus internen Sicherheitsweisungen. Wo das gilt, scheiden Werkzeuge mit reiner US-Cloud unabhängig von ihren Funktionen aus. Es lohnt sich daher, die Auswahl mit der Frage nach dem Speicherort zu beginnen und erst danach über Bedienung und Funktionsumfang zu sprechen.
1. Beschaffungsrecht (IVöB/GPA) und Datenhaltung als harte Filter. 2. HERMES-Abbildbarkeit. 3. Funktionen und Bedienung. Wer diese Reihenfolge einhält, verliert sich nicht in einem funktional attraktiven Tool, das an einer harten Vorgabe scheitert.
Der Zielweg für Zürcher Teams
Für Verwaltungseinheiten, Gemeinden und öffentlich finanzierte Organisationen im Kanton Zürich, die ein schlankes Tool mit Schweizer Datenhaltung suchen, ist Flenio eine Option: deutschsprachig, mit Datenhaltung im Raum Zürich und einer Struktur, die sich an HERMES-Phasen ausrichten lässt. Die Standort-Seite zeigt die lokalen Details.
Die Entscheidung bleibt Ihre: Prüfen Sie zuerst die verbindlichen Rahmenbedingungen Ihrer Einheit, dann die HERMES-Abbildbarkeit, dann Bedienung und Funktionsumfang. Der HERMES-Szenario-Finder hilft, das passende Szenario zu bestimmen.
Praxis im Kanton Zürich
Beschaffung über die kantonale Fachstelle
Der Kanton Zürich wickelt Beschaffungen über die Fachstelle Beschaffungskonferenz des Kantons Zürich (BKZ) ab und publiziert Ausschreibungen auf simap.ch. Wegen des hohen Auftragsvolumens sind viele IT-Vergaben ausschreibungspflichtig; die Schwellenwerte der revidierten IVöB (in Kraft seit 2021 im Kanton Zürich) geben den Rahmen vor.
Digitalisierungsstrategie als Treiber
Die kantonale Digitalstrategie und die Verwaltungsdigitalisierung erzeugen laufend Projektbedarf über Direktionen hinweg. Für departementsübergreifende Vorhaben ist eine einheitliche HERMES-Anwendung besonders wertvoll, weil sie Vergleichbarkeit über die vielen beteiligten Ämter schafft.
Häufige Fragen
- Welches Projektmanagement-Tool eignet sich für die Verwaltung im Kanton Zürich?
- Eines, das HERMES-Strukturen abbildet, Datenhaltung in der Schweiz bietet und die Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen ermöglicht. Datenhaltung und Beschaffungsrecht (IVöB) sind dabei die vorgelagerten Filter, die vor der Funktionsfrage geprüft werden.
- Ist HERMES im Kanton Zürich verbindlich?
- HERMES ist der Schweizer Standard und für IT- und Organisationsprojekte der öffentlichen Hand faktisch gesetzt — häufig verbindlich vorgeschrieben. Massgeblich sind die konkreten Weisungen der jeweiligen Verwaltungseinheit; ein Tool sollte HERMES in jedem Fall abbilden können.
- Muss die Beschaffung eines PM-Tools ausgeschrieben werden?
- Das hängt vom Auftragswert ab. Oberhalb der Schwellenwerte der IVöB (und bei sehr grossen Aufträgen des GPA/WTO) besteht Ausschreibungspflicht. Unterhalb gelten je nach Kanton einfachere Verfahren. Die kantonale Beschaffungsstelle gibt darüber verbindlich Auskunft.