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HERMES

HERMES und SAFe: Governance-Rahmen trifft Skalierungsframework

HERMES und SAFe begegnen sich dort, wo grosse Organisationen agil liefern und zugleich Rechenschaft über Mittel ablegen müssen — typisch für Verwaltung, bundesnahe Betriebe und Finanzinstitute.

7 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

HERMES und SAFe lösen unterschiedliche Probleme. HERMES regelt Steuerung, Rollen, Ergebnisse und Entscheidungspunkte eines Projekts; SAFe organisiert, wie viele agile Teams gemeinsam an einem grossen Vorhaben liefern. In grossen Programmen kann HERMES den Governance-Rahmen bilden, in den die agile Lieferung nach SAFe eingebettet wird.

Zwei Antworten auf zwei Fragen

HERMES beantwortet die Frage, wie ein Vorhaben verantwortet, gesteuert und nachgewiesen wird: Wer entscheidet wann auf welcher Grundlage? SAFe (Scaled Agile Framework) beantwortet eine andere Frage: Wie arbeiten zehn, fünfzig oder hundert agile Teams so zusammen, dass sie gemeinsam und synchronisiert liefern? Ein direkter Vergleich im Sinne von «entweder oder» führt deshalb in die Irre.

AspektHERMESSAFe
TypProjekt- und Programm-GovernanceFramework für skalierte Agilität
FokusSteuerung, Ergebnisse, NachvollziehbarkeitKoordinierte Lieferung vieler Teams
StrukturelementPhasen mit Meilenstein-EntscheidenProgram Increments, Agile Release Trains
HerkunftSchweizer Bundesverwaltung, offener StandardKommerzielles Framework mit Zertifizierungsmodell
Typischer EinsatzVerwaltung, bundesnahe Betriebe, KMUGrosse Produkt- und IT-Organisationen

Wie HERMES Agilität einbettet

HERMES sieht ausdrücklich vor, agile Umsetzung zu integrieren. Die Methode behandelt die agile Entwicklung dabei als eingekapselten Teil des Projekts: Innerhalb arbeiten die Teams nach ihrer agilen Methode, an den Schnittstellen gelten die HERMES-Vorgaben für Steuerung, Berichterstattung und Ergebnisse. Genau an dieser Stelle kann auch ein skaliertes Framework wie SAFe stehen.

Wo die Reibung entsteht

  • Rhythmus: HERMES-Meilensteine folgen dem Projektverlauf, SAFe plant in festen Program Increments. Beides muss aufeinander abgestimmt werden.
  • Rollen: SAFe kennt eigene Rollen wie Release Train Engineer und Product Management; ihre Abgrenzung zu Auftraggeber und Projektleitung muss geklärt sein.
  • Ergebnisse: HERMES erwartet dokumentierte Ergebnisse, SAFe setzt auf lauffähige Inkremente. Die Nachweisform ist zu vereinbaren.
  • Budget: SAFe denkt in Wertströmen mit festen Kapazitäten, HERMES in Projektbudgets mit Freigaben.
Pragmatische Lösung

Bewährt hat sich, die HERMES-Meilensteine auf das Ende von Program Increments zu legen. So fällt der Governance-Entscheid auf einen Zeitpunkt, an dem ohnehin ein integrierter Stand vorliegt.

Wann welches Gewicht sinnvoll ist

In der öffentlichen Verwaltung mit klaren Nachweispflichten steht HERMES im Vordergrund; agile Elemente werden eingebettet, eine volle SAFe-Einführung ist selten nötig. In grossen Produktorganisationen mit vielen Teams steht SAFe im Zentrum der Lieferung, und HERMES — wo vorgeschrieben — bildet den übergeordneten Rahmen. Bei mittleren Vorhaben mit zwei bis drei Teams genügt meist HERMES mit Scrum; SAFe wäre hier überdimensioniert.

Overhead begrenzen

Beide Frameworks sind umfangreich. Wer sie kombiniert, sollte doppelt tailoren: HERMES auf die tatsächliche Projektgrösse zuschneiden und SAFe nur in der Konfiguration einsetzen, die die Teamzahl wirklich verlangt. Doppelte Berichterstattung — einmal für die HERMES-Steuerung, einmal für das SAFe-Reporting — ist das deutlichste Zeichen für eine unklare Integration und sollte früh beseitigt werden.

Praxisbeispiel: ein Programm mit acht Teams

Angenommen, ein bundesnahes Unternehmen erneuert seine Kundenplattform mit acht Entwicklungsteams. Das Programm wird nach HERMES geführt: Es gibt einen Auftraggeber, einen Projektausschuss, eine Initialisierung mit Studie und definierte Meilensteine. Innerhalb der Realisierung arbeiten die Teams in einem Agile Release Train mit Program Increments von zehn Wochen. Am Ende jedes Increments steht ein integrierter, demonstrierbarer Stand.

Die Meilensteine werden auf diese Increment-Enden gelegt. Der Auftraggeber entscheidet dort nicht über einzelne Features, sondern über Fortführung, Budget und Zielerreichung — auf Basis des tatsächlich gelieferten Stands statt auf Basis von Präsentationen. Der Projektleiter nach HERMES und der Release Train Engineer teilen sich die Aufgaben klar: Der eine verantwortet Governance, Stakeholder und Budget, der andere Takt, Abhängigkeiten und Lieferfluss der Teams.

Fazit

HERMES und SAFe sind keine Konkurrenten. HERMES liefert die Verantwortungs- und Entscheidungsstruktur, SAFe die Organisation der agilen Lieferung. Die Kunst liegt in der Schnittstelle: gemeinsamer Takt, klare Rollen und eine einzige Wahrheit über den Projektstand.

Diese Methode lässt sich in einem Projekt-Tool wie Flenio direkt abbilden — DACH-nativ und DSG-konform gehostet.

Häufige Fragen

Sind HERMES und SAFe Konkurrenten?
Nein. HERMES ist ein Governance-Rahmen für Projekte, SAFe ein Framework für die koordinierte agile Arbeit vieler Teams. Sie lassen sich kombinieren.
Wie lässt sich SAFe in HERMES einbetten?
Die agile Lieferung nach SAFe wird als eingekapselter Teil des Projekts behandelt; an den Schnittstellen gelten die HERMES-Vorgaben für Steuerung, Berichte und Ergebnisse.
Braucht ein HERMES-Projekt mit zwei Scrum-Teams SAFe?
In der Regel nicht. SAFe lohnt sich erst bei vielen Teams, die synchronisiert liefern müssen.