Der Projektstrukturplan zerlegt das Projekt hierarchisch in Arbeitspakete und folgt dabei der 100-Prozent-Regel: Jede Ebene bildet den vollständigen Inhalt der übergeordneten Ebene ab, nicht mehr und nicht weniger. Er enthält Ergebnisse, keine Tätigkeiten, und kennt keine Zeitachse.
Was der PSP leistet
Der Projektstrukturplan beantwortet eine einzige Frage: Woraus besteht dieses Projekt? Er zerlegt das Vorhaben hierarchisch, bis auf der untersten Ebene Arbeitspakete stehen, die sich schätzen, zuordnen und überwachen lassen. Er enthält keine Termine, keine Reihenfolge und keine Ressourcen — diese Reduktion ist beabsichtigt.
Sein Wert liegt in der Vollständigkeitsprüfung. Ein Terminplan zeigt nicht, was fehlt; er zeigt nur, was eingetragen ist. Der PSP zwingt dagegen zur Frage, ob die Zerlegung den gesamten Projektinhalt abdeckt. Die meisten vergessenen Aufwände — Schulung, Migration, Dokumentation, Betriebsübergabe — fallen genau hier auf.
Die 100-Prozent-Regel
Die zentrale Regel des PSP: Die Elemente einer Ebene ergeben zusammen genau den Inhalt des übergeordneten Elements — vollständig und ohne Überschneidung. Fehlt etwas, entsteht eine Lücke im Plan. Überschneiden sich zwei Elemente, wird Aufwand doppelt geschätzt oder fällt zwischen zwei Verantwortliche.
Praktisch prüft man das von unten nach oben: Wenn alle Kinder eines Knotens erledigt sind, ist der Knoten dann vollständig erledigt? Falls nein, fehlt ein Kind. Diese Prüfung dauert wenige Minuten pro Ebene und findet zuverlässig die Lücken.
Gliederungsarten
| Gliederung | Erste Ebene nach | Passt bei |
|---|---|---|
| Objektorientiert | Bestandteilen des Ergebnisses | Bau, Produktentwicklung, Systemen mit klaren Komponenten |
| Phasenorientiert | Projektphasen | Vorhaben mit klarem Ablauf, HERMES-Umfeld |
| Funktionsorientiert | Fachdisziplinen | Organisationsübergreifende Vorhaben |
| Gemischt | Kombination je Ast | Der Regelfall in der Praxis |
Die gemischte Form ist verbreiteter, als Lehrbücher nahelegen, und völlig legitim: Ein IT-Projekt kann auf erster Ebene nach Phasen gegliedert sein und innerhalb der Realisierung nach Systemkomponenten. Wichtig ist nur, dass innerhalb eines Astes ein Gliederungsprinzip konsequent durchgehalten wird.
Ein Arbeitspaket heisst «Testkonzept», nicht «Testkonzept erstellen». Der PSP beschreibt, was entsteht. Was zu tun ist, ergibt sich daraus — und gehört in den Ablaufplan.
Wie tief zerlegen
Die Zerlegung endet, wenn ein Arbeitspaket vier Bedingungen erfüllt: Es lässt sich mit vertretbarer Genauigkeit schätzen, es ist genau einer Person oder Stelle zuordenbar, sein Abschluss ist eindeutig feststellbar, und sein Fortschritt ist überwachbar, ohne täglich nachzufragen.
Als Grössenordnung hat sich bewährt, dass ein Arbeitspaket nicht länger als eine Berichtsperiode dauern sollte. Bei monatlichem Reporting also höchstens etwa einen Monat. Grössere Pakete sind über eine Periode hinweg nicht sinnvoll bewertbar — sie stehen dann bei «in Arbeit», und das über Monate.
Vom PSP zur Schätzung
Der PSP ist die Grundlage der Aufwandsschätzung, weil geschätzt wird, was greifbar ist. Die Frage «Was kostet das Projekt?» ist nicht beantwortbar; die Frage «Wie viele Tage braucht das Testkonzept?» ist es. Die Summe über alle Arbeitspakete ergibt die Gesamtschätzung.
Diese Bottom-up-Schätzung sollte gegen eine grobe Top-down-Einschätzung gehalten werden. Weichen beide stark voneinander ab, ist das ein Befund: Entweder ist die Zerlegung unvollständig, oder die Erwartung an das Projekt war unrealistisch. Beides sollte man vor der Zusage wissen, nicht danach.
Kodierung
Jedes Element erhält eine hierarchische Nummer — 1, 1.1, 1.1.1. Diese Kodierung wirkt bürokratisch und ist praktisch unverzichtbar: Sie verbindet PSP, Terminplan, Kostenstellen und Meilensteine miteinander. Wenn im Statusbericht «AP 3.2 verzögert» steht, weiss jeder, wovon die Rede ist, und die Zuordnung zum Budget ist eindeutig.
Häufige Fragen
- Was ist die 100-Prozent-Regel im Projektstrukturplan?
- Die Elemente einer Ebene ergeben zusammen genau den Inhalt des übergeordneten Elements — vollständig und ohne Überschneidung. Fehlt etwas, entsteht eine Planungslücke; überschneidet sich etwas, wird Aufwand doppelt geschätzt oder fällt zwischen zwei Verantwortliche.
- Wie tief sollte ein Projektstrukturplan zerlegt werden?
- Bis ein Arbeitspaket schätzbar, einer Stelle zuordenbar, eindeutig abschliessbar und überwachbar ist. Als Grössenordnung: nicht länger als eine Berichtsperiode — bei monatlichem Reporting also höchstens etwa einen Monat.
- Enthält der Projektstrukturplan Termine?
- Nein. Der PSP kennt keine Zeitachse und keine Reihenfolge. Er beantwortet nur, woraus das Projekt besteht. Reihenfolge und Termine folgen im Ablauf- und Terminplan, die auf dem PSP aufbauen.