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Ratgeber

Projektstrukturplan erstellen: Gliederung und Schnitt

Der Projektstrukturplan ist das am meisten unterschätzte Planungsinstrument. Er kostet einen halben Tag und entscheidet darüber, ob alle weiteren Pläne auf Substanz stehen.

9 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Der Projektstrukturplan zerlegt das Projekt hierarchisch in Arbeitspakete und folgt dabei der 100-Prozent-Regel: Jede Ebene bildet den vollständigen Inhalt der übergeordneten Ebene ab, nicht mehr und nicht weniger. Er enthält Ergebnisse, keine Tätigkeiten, und kennt keine Zeitachse.

Was der PSP leistet

Der Projektstrukturplan beantwortet eine einzige Frage: Woraus besteht dieses Projekt? Er zerlegt das Vorhaben hierarchisch, bis auf der untersten Ebene Arbeitspakete stehen, die sich schätzen, zuordnen und überwachen lassen. Er enthält keine Termine, keine Reihenfolge und keine Ressourcen — diese Reduktion ist beabsichtigt.

Sein Wert liegt in der Vollständigkeitsprüfung. Ein Terminplan zeigt nicht, was fehlt; er zeigt nur, was eingetragen ist. Der PSP zwingt dagegen zur Frage, ob die Zerlegung den gesamten Projektinhalt abdeckt. Die meisten vergessenen Aufwände — Schulung, Migration, Dokumentation, Betriebsübergabe — fallen genau hier auf.

Die 100-Prozent-Regel

Die zentrale Regel des PSP: Die Elemente einer Ebene ergeben zusammen genau den Inhalt des übergeordneten Elements — vollständig und ohne Überschneidung. Fehlt etwas, entsteht eine Lücke im Plan. Überschneiden sich zwei Elemente, wird Aufwand doppelt geschätzt oder fällt zwischen zwei Verantwortliche.

Praktisch prüft man das von unten nach oben: Wenn alle Kinder eines Knotens erledigt sind, ist der Knoten dann vollständig erledigt? Falls nein, fehlt ein Kind. Diese Prüfung dauert wenige Minuten pro Ebene und findet zuverlässig die Lücken.

Gliederungsarten

GliederungErste Ebene nachPasst bei
ObjektorientiertBestandteilen des ErgebnissesBau, Produktentwicklung, Systemen mit klaren Komponenten
PhasenorientiertProjektphasenVorhaben mit klarem Ablauf, HERMES-Umfeld
FunktionsorientiertFachdisziplinenOrganisationsübergreifende Vorhaben
GemischtKombination je AstDer Regelfall in der Praxis

Die gemischte Form ist verbreiteter, als Lehrbücher nahelegen, und völlig legitim: Ein IT-Projekt kann auf erster Ebene nach Phasen gegliedert sein und innerhalb der Realisierung nach Systemkomponenten. Wichtig ist nur, dass innerhalb eines Astes ein Gliederungsprinzip konsequent durchgehalten wird.

Ergebnisse, nicht Tätigkeiten

Ein Arbeitspaket heisst «Testkonzept», nicht «Testkonzept erstellen». Der PSP beschreibt, was entsteht. Was zu tun ist, ergibt sich daraus — und gehört in den Ablaufplan.

Wie tief zerlegen

Die Zerlegung endet, wenn ein Arbeitspaket vier Bedingungen erfüllt: Es lässt sich mit vertretbarer Genauigkeit schätzen, es ist genau einer Person oder Stelle zuordenbar, sein Abschluss ist eindeutig feststellbar, und sein Fortschritt ist überwachbar, ohne täglich nachzufragen.

Als Grössenordnung hat sich bewährt, dass ein Arbeitspaket nicht länger als eine Berichtsperiode dauern sollte. Bei monatlichem Reporting also höchstens etwa einen Monat. Grössere Pakete sind über eine Periode hinweg nicht sinnvoll bewertbar — sie stehen dann bei «in Arbeit», und das über Monate.

Vom PSP zur Schätzung

Der PSP ist die Grundlage der Aufwandsschätzung, weil geschätzt wird, was greifbar ist. Die Frage «Was kostet das Projekt?» ist nicht beantwortbar; die Frage «Wie viele Tage braucht das Testkonzept?» ist es. Die Summe über alle Arbeitspakete ergibt die Gesamtschätzung.

Diese Bottom-up-Schätzung sollte gegen eine grobe Top-down-Einschätzung gehalten werden. Weichen beide stark voneinander ab, ist das ein Befund: Entweder ist die Zerlegung unvollständig, oder die Erwartung an das Projekt war unrealistisch. Beides sollte man vor der Zusage wissen, nicht danach.

Kodierung

Jedes Element erhält eine hierarchische Nummer — 1, 1.1, 1.1.1. Diese Kodierung wirkt bürokratisch und ist praktisch unverzichtbar: Sie verbindet PSP, Terminplan, Kostenstellen und Meilensteine miteinander. Wenn im Statusbericht «AP 3.2 verzögert» steht, weiss jeder, wovon die Rede ist, und die Zuordnung zum Budget ist eindeutig.

Häufige Fragen

Was ist die 100-Prozent-Regel im Projektstrukturplan?
Die Elemente einer Ebene ergeben zusammen genau den Inhalt des übergeordneten Elements — vollständig und ohne Überschneidung. Fehlt etwas, entsteht eine Planungslücke; überschneidet sich etwas, wird Aufwand doppelt geschätzt oder fällt zwischen zwei Verantwortliche.
Wie tief sollte ein Projektstrukturplan zerlegt werden?
Bis ein Arbeitspaket schätzbar, einer Stelle zuordenbar, eindeutig abschliessbar und überwachbar ist. Als Grössenordnung: nicht länger als eine Berichtsperiode — bei monatlichem Reporting also höchstens etwa einen Monat.
Enthält der Projektstrukturplan Termine?
Nein. Der PSP kennt keine Zeitachse und keine Reihenfolge. Er beantwortet nur, woraus das Projekt besteht. Reihenfolge und Termine folgen im Ablauf- und Terminplan, die auf dem PSP aufbauen.