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Ratgeber

Projektplan erstellen: von der Struktur zum Termingerüst

Der Begriff Projektplan meint je nach Person etwas anderes — ein Gantt-Diagramm, eine Terminliste, ein ganzes Dokument. Diese Unschärfe ist der Grund, warum Projektpläne so oft nicht das leisten, was von ihnen erwartet wird.

9 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Ein vollständiger Projektplan umfasst Strukturplan, Ablauf- und Terminplan, Ressourcen- und Kostenplan sowie den Meilensteinplan. Er entsteht in dieser Reihenfolge: Erst wenn feststeht, woraus das Projekt besteht, lassen sich Abläufe, Aufwände und Termine sinnvoll ableiten.

Was zum Projektplan gehört

Im engeren Sinn ist der Projektplan das Termingerüst. Im weiteren, üblicheren Sinn ist er die Gesamtheit der Planungsdokumente, die ein Projekt steuerbar machen. Diese Unschärfe erzeugt in Sitzungen regelmässig Missverständnisse — jemand fragt nach dem Projektplan und meint das Gantt-Diagramm, jemand anders liefert ein dreissigseitiges Dokument.

TeilplanBeantwortetErgebnis
ProjektstrukturplanWoraus besteht das Projekt?Hierarchie bis zu Arbeitspaketen
AblaufplanIn welcher Reihenfolge?Vorgänge mit Abhängigkeiten
TerminplanWann?Daten, Dauern, kritischer Pfad
RessourcenplanWer und womit?Zuordnung von Personen und Mitteln
KostenplanWas kostet es?Budget je Arbeitspaket und Periode
MeilensteinplanWo wird entschieden?Entscheidungspunkte auf der Zeitachse

Die Reihenfolge ist nicht beliebig

Jeder Teilplan baut auf dem vorigen auf. Ohne Strukturplan gibt es nichts, dessen Reihenfolge man festlegen könnte. Ohne Ablaufplan lassen sich keine Termine berechnen, sondern nur schätzen. Ohne Ressourcenzuordnung sind die Termine unverbindlich, weil niemand geprüft hat, ob die Personen überhaupt verfügbar sind.

Die verbreitete Abkürzung besteht darin, direkt ein Gantt-Diagramm zu zeichnen. Das erzeugt schnell etwas Vorzeigbares und überspringt die Fragen, die Substanz erzeugen: Ist die Zerlegung vollständig? Sind die Abhängigkeiten geprüft? Stehen die Ressourcen zur Verfügung? Ein Gantt-Diagramm ohne diese Grundlagen sieht aus wie Planung und ist Illustration.

Test in einer Minute

Fragen Sie bei einem beliebigen Balken: Woraus setzt sich diese Dauer zusammen? Wenn die Antwort «geschätzt» statt «aus diesen Arbeitspaketen» lautet, fehlt die Grundlage.

Detailtiefe wählen

Ein Projektplan muss nicht überall gleich detailliert sein. Bewährt hat sich rollierende Planung: Die kommenden zwei bis drei Monate werden fein geplant, die weitere Zukunft grob. Bei jedem Meilenstein wird der nächste Abschnitt verfeinert.

Der Grund ist praktisch: Detailplanung für Arbeit in zwölf Monaten beruht auf Annahmen, die bis dahin überholt sind. Der Aufwand ist real, der Ertrag gering, und der Plan erzeugt eine Scheingenauigkeit, die Entscheidungen auf falscher Grundlage begünstigt.

Puffer ausweisen statt verstecken

Puffer in die einzelnen Schätzungen einzurechnen ist die verbreitetste und schwächste Variante. Der Puffer wird dann verlässlich aufgebraucht, weil sich die Arbeit nach dem verfügbaren Zeitraum richtet — und niemand weiss, wie viel Reserve tatsächlich noch besteht.

Wirksamer ist, ehrlich zu schätzen und den Puffer separat auszuweisen: gebündelt vor kritischen Punkten und vor dem Endtermin. Diese Trennung macht den Puffer zu einer steuerbaren Grösse. Man sieht, wann er angebrochen wird, und kann darauf reagieren.

Der Plan als lebendes Dokument

Ein Projektplan, der nach der Genehmigung eingefroren wird, ist nach zwei Monaten unbrauchbar. Ein Plan, der laufend überschrieben wird, ist immer aktuell und trägt keine Information über Abweichungen. Die Lösung ist ein festgehaltener Ausgangsstand — die Basislinie —, gegen den die Ist-Situation gehalten wird.

Ohne Basislinie lässt sich die aussagekräftigste Frage im Projektcontrolling nicht beantworten: Wie oft und um wie viel haben wir diesen Termin schon verschoben? Ein Plan, der diese Frage nicht beantworten kann, dokumentiert die Gegenwart, aber steuert nicht.

Woran unbrauchbare Pläne erkennbar sind

  • Alle Vorgänge dauern glatte Wochen — ein Zeichen für geraten statt geschätzt.
  • Keine Abhängigkeiten zwischen den Balken — Verzug pflanzt sich nicht fort, der Plan warnt nie.
  • Keine Basislinie — die Verschiebungshistorie ist verloren.
  • Ressourcen zu über 100 % verplant — der Plan ist rechnerisch nicht erfüllbar.
  • Keine Zeit für Abnahmen und Gremienentscheide — die häufigste unsichtbare Lücke.

Der letzte Punkt ist der teuerste. Zwischen «Arbeit fertig» und «abgenommen» liegen in Organisationen mit Sitzungsrhythmus regelmässig zwei bis vier Wochen. Ein Plan, der diese Zeit nicht enthält, ist bereits bei der Erstellung nicht haltbar.

Häufige Fragen

Was gehört alles in einen Projektplan?
Projektstrukturplan, Ablaufplan, Terminplan, Ressourcenplan, Kostenplan und Meilensteinplan. Im engeren Sprachgebrauch meint «Projektplan» oft nur das Termingerüst — diese Unschärfe erzeugt in der Praxis häufig Missverständnisse.
In welcher Reihenfolge erstellt man einen Projektplan?
Strukturplan, dann Ablauf, dann Termine, dann Ressourcen und Kosten, zuletzt die Meilensteine. Jeder Schritt baut auf dem vorigen auf — direkt ein Gantt-Diagramm zu zeichnen überspringt die Fragen, die dem Plan Substanz geben.
Wie detailliert muss ein Projektplan sein?
Rollierend: die kommenden zwei bis drei Monate fein, die weitere Zukunft grob, Verfeinerung bei jedem Meilenstein. Detailplanung für Arbeit in zwölf Monaten beruht auf Annahmen, die bis dahin überholt sind.