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Ratgeber

Terminplan erstellen: Dauern, Abhängigkeiten, kritischer Pfad

Ein Terminplan ist eine Rechnung, kein Wunsch. Wer Daten setzt statt sie zu berechnen, erhält einen Kalender, der bei der ersten Verzögerung nichts mehr aussagt.

9 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Ein Terminplan entsteht aus Vorgängen mit geschätzter Dauer und Anordnungsbeziehungen. Aus der Vorwärtsrechnung ergeben sich früheste, aus der Rückwärtsrechnung späteste Termine; die Differenz ist der Puffer. Vorgänge ohne Puffer bilden den kritischen Pfad — jede Verzögerung dort verschiebt den Endtermin.

Die Bausteine

Ein Terminplan besteht aus Vorgängen, ihren Dauern und den Beziehungen zwischen ihnen. Die Vorgänge kommen aus dem Projektstrukturplan — ohne ihn beginnt man mit einer Liste, deren Vollständigkeit niemand geprüft hat.

Wichtig ist die Trennung von Dauer und Aufwand. Acht Personentage Aufwand bedeuten nicht acht Tage Dauer: Verteilt auf zwei Personen sind es vier, bei fünfzig Prozent Verfügbarkeit sechzehn. Diese Umrechnung wird regelmässig übersprungen, und der resultierende Plan ist dann systematisch zu optimistisch.

Anordnungsbeziehungen

TypBedeutungBeispiel
Ende–AnfangB beginnt, wenn A endetTest beginnt nach Fertigstellung
Anfang–AnfangB beginnt, wenn A beginntDokumentation läuft parallel zur Entwicklung
Ende–EndeB endet, wenn A endetAbnahmebegleitung endet mit der Abnahme
Anfang–EndeB endet, wenn A beginntSelten; Ablösung eines Altsystems

Die erste Zeile deckt die grosse Mehrheit ab. Wertvoll sind zusätzlich Zeitabstände: «Test beginnt fünf Arbeitstage nach Fertigstellung» bildet die Zeit für Bereitstellung und Übergabe ab, die sonst unsichtbar bleibt und im Projekt trotzdem vergeht.

Vorwärts- und Rückwärtsrechnung

Die Vorwärtsrechnung startet am Projektbeginn und ermittelt für jeden Vorgang den frühesten Anfang und das früheste Ende. Sie beantwortet: Wann könnte das Projekt frühestens fertig sein?

Die Rückwärtsrechnung startet am Endtermin und ermittelt den spätesten zulässigen Anfang und das späteste Ende jedes Vorgangs. Die Differenz zwischen frühestem und spätestem Termin ist der Puffer dieses Vorgangs.

Beide Rechnungen erledigt jedes Planungswerkzeug automatisch — vorausgesetzt, die Anordnungsbeziehungen sind gepflegt. Genau daran scheitert es in der Praxis: Ein Plan mit Balken, aber ohne Verknüpfungen, kann nichts rechnen und verhält sich wie eine Zeichnung.

Test in dreissig Sekunden

Verlängern Sie testweise einen frühen Vorgang um zwei Wochen. Verschiebt sich der Endtermin? Wenn nicht, sind die Beziehungen nicht gesetzt — und der Plan warnt Sie nie vor einem Verzug.

Der kritische Pfad

Vorgänge ohne Puffer bilden den kritischen Pfad: die längste Kette durch das Projekt. Jede Verzögerung auf diesem Pfad verschiebt den Endtermin unmittelbar, jede Verzögerung ausserhalb zunächst nicht.

Die praktische Konsequenz betrifft die Aufmerksamkeit. Vorgänge auf dem kritischen Pfad verdienen die genauere Schätzung, die häufigere Nachfrage und den grösseren Teil des Puffers. Ein Projektleiter, der seinen kritischen Pfad nicht kennt, verteilt Aufmerksamkeit gleichmässig — und damit an den falschen Stellen.

Zu beachten: Der kritische Pfad ändert sich im Projektverlauf. Verzögert sich ein Vorgang mit wenig Puffer stark genug, wird seine Kette kritisch und die bisherige unkritisch. Deshalb gehört die Prüfung in jede Planaktualisierung.

Was im Plan fehlen darf und was nicht

  • Abnahmen und Freigaben brauchen eigene Vorgänge — sie dauern in Organisationen mit Sitzungsrhythmus Wochen.
  • Ferien und Feiertage gehören in den Kalender des Werkzeugs, nicht in die Schätzungen.
  • Externe Abhängigkeiten brauchen eigene Vorgänge mit Verantwortlichem, auch wenn man sie nicht steuern kann.
  • Einarbeitungszeiten bei Personalwechsel gehören eingeplant, wenn sie absehbar sind.
  • Nicht in den Plan gehören Aufgaben unter einem Tag — sie erzeugen Pflegeaufwand ohne Steuerungswert.

Aktualisieren mit Basislinie

Ein Terminplan wird bei jeder Aktualisierung fortgeschrieben, nicht überschrieben. Die Basislinie hält den genehmigten Ausgangsstand fest; darüber liegt die Ist-Situation. Ohne diese Trennung sieht der Plan immer aktuell und plausibel aus, und die Frage, wie oft ein Termin schon verschoben wurde, ist nicht mehr beantwortbar.

Häufige Fragen

Wie erstellt man einen Terminplan?
Aus dem Projektstrukturplan die Vorgänge übernehmen, Dauern aus Aufwand und Verfügbarkeit ableiten, Anordnungsbeziehungen setzen und die Termine vom Werkzeug berechnen lassen. Daten werden berechnet, nicht gesetzt.
Was ist der kritische Pfad?
Die längste Kette von Vorgängen ohne Puffer. Jede Verzögerung dort verschiebt den Endtermin unmittelbar. Er ändert sich im Projektverlauf und gehört bei jeder Planaktualisierung neu geprüft.
Was ist der Unterschied zwischen Aufwand und Dauer?
Aufwand ist die Arbeitsmenge in Personentagen, Dauer die verstrichene Zeit. Acht Personentage sind bei zwei Personen vier Tage Dauer, bei fünfzig Prozent Verfügbarkeit sechzehn. Diese Umrechnung wird häufig übersprungen.