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Software-Auswahl

Wechsel der Projektsoftware: Migration planen und durchführen

Die technische Migration ist selten das Problem. Der Wechsel scheitert daran, dass alles mitgenommen werden soll — auch der Ballast aus acht Jahren.

9 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Bei einem Softwarewechsel sollten nur laufende und kürzlich abgeschlossene Projekte migriert werden; ältere Bestände bleiben in einem lesenden Archiv des Altsystems oder als Export. Der Versuch, die vollständige Historie zu übernehmen, verlängert das Projekt erheblich und überträgt Datenqualitätsprobleme in das neue System.

Der entscheidende Umfangsentscheid

Die erste und folgenreichste Frage lautet nicht «wie migrieren wir», sondern «was migrieren wir». Der Reflex ist, alles mitzunehmen — das wirkt sicher und ist meist der teuerste Weg.

DatenbestandEmpfehlungBegründung
Laufende ProjekteVollständig migrierenWerden aktiv gebraucht
Abschluss in den letzten 12 MonatenMigrieren oder als Export ablegenReferenz für laufende Arbeit
Ältere abgeschlossene ProjekteExport oder lesendes AltsystemWerden selten aufgerufen
Vorlagen und KonfigurationNeu aufbauen, nicht übernehmenGute Gelegenheit zum Aufräumen
Aufgabenhistorie und KommentareSelektivGrosser Aufwand, geringer Nutzen

Die vierte Zeile ist die wichtigste. Vorlagen und Konfiguration eines Systems, das über Jahre gewachsen ist, enthalten Entscheidungen, die niemand mehr begründen kann. Sie zu übertragen bedeutet, den Ballast in das neue System zu tragen — mitsamt der Frage, warum ein bestimmtes Feld existiert, die dann noch weitere Jahre unbeantwortet bleibt.

Datenqualität vor der Migration prüfen

Jedes gewachsene System enthält Datenqualitätsprobleme: doppelte Projekte, verwaiste Aufgaben, Personen, die längst ausgetreten sind, Projekte ohne Abschluss aus dem Jahr 2019. Diese Probleme wandern bei einer unbereinigten Migration mit — und im neuen System sind sie schwerer zu erkennen, weil niemand mehr weiss, was Altlast ist.

Die Bereinigung gehört vor die Migration, nicht danach. Sie ist unbeliebt, weil sie Aufwand ohne sichtbares Ergebnis bedeutet, und sie ist der Unterschied zwischen einem sauberen Neustart und einem Umzug samt Keller.

Der wirksamste Filter

Migrieren Sie nur Projekte, die in den letzten zwölf Monaten Aktivität hatten. Alles andere geht als Export ins Archiv. In der Praxis reduziert das den Migrationsumfang oft um mehr als die Hälfte — bei kaum spürbarem Verlust.

Ablauf

  1. 01
    Umfang festlegenWas wird migriert, was archiviert, was verworfen — als Entscheid dokumentiert, nicht als Annahme.
  2. 02
    Zielstruktur aufbauenProjektstruktur, Rollen, Rechte und Vorlagen im neuen System neu konzipieren, bevor Daten fliessen.
  3. 03
    Abbildungsregeln definierenWelches Feld wird zu welchem, was passiert mit Feldern ohne Entsprechung? Diese Liste ist das Kernstück.
  4. 04
    Probemigration mit FachprüfungMindestens zweimal vollständig, jeweils mit inhaltlicher Kontrolle durch die künftigen Nutzer.
  5. 05
    Stichtag festlegenAb wann wird im Altsystem nichts mehr erfasst? Ohne klaren Schnitt entsteht Doppelpflege.
  6. 06
    Umstellung und Altsystem lesendDas Alte bleibt eine begrenzte Zeit lesend verfügbar — das nimmt der Umstellung den Druck.

Der vierte Schritt ist der, an dem am häufigsten gespart wird. Eine Probemigration, deren Resultat niemand fachlich kontrolliert hat, belegt nur, dass der technische Vorgang durchläuft — nicht, dass die Daten danach richtig sind.

Doppelbetrieb vermeiden

Der häufigste Fehler ist der weiche Übergang: Beide Systeme bleiben eine Weile aktiv, «damit sich alle in Ruhe umstellen können». Das Ergebnis ist verlässlich, dass Teile der Organisation im Alten bleiben, Informationen sich aufteilen und nach drei Monaten niemand weiss, wo der aktuelle Stand steht.

Wirksamer ist ein harter Stichtag für die Erfassung, kombiniert mit einem lesenden Zugriff auf das Alte über mehrere Monate. Damit ist klar, wo gearbeitet wird, und die Sicherheit, dass nichts verloren geht, bleibt trotzdem bestehen.

Den Wechsel für die Bereinigung nutzen

Ein Systemwechsel ist der einzige Moment, in dem eine Organisation bereit ist, ihre Arbeitsweise zu hinterfragen. Diese Gelegenheit ist begrenzt — nach der Einführung kehrt die Bereitschaft für Jahre nicht zurück.

Nutzen Sie sie für die Fragen, die sonst nie gestellt werden: Brauchen wir wirklich fünf Projektstatus? Wer liest die vier Standardberichte? Warum gibt es zwei Wege, eine Aufgabe anzulegen? Ein Wechsel, der die alte Arbeitsweise eins zu eins abbildet, hat den grösseren Teil seines möglichen Nutzens verschenkt.

Häufige Fragen

Was sollte man bei einem Softwarewechsel migrieren?
Laufende Projekte vollständig, in den letzten zwölf Monaten abgeschlossene als Export oder Migration, ältere Bestände als Archiv im Altsystem. Vorlagen und Konfiguration sollten neu aufgebaut statt übernommen werden.
Wie vermeidet man Doppelbetrieb beim Toolwechsel?
Mit einem harten Stichtag für die Erfassung, kombiniert mit lesendem Zugriff auf das Altsystem über mehrere Monate. Ein weicher Übergang führt verlässlich dazu, dass Teile der Organisation im Alten bleiben.
Wie oft sollte eine Probemigration durchgeführt werden?
Mindestens zweimal vollständig, jeweils mit inhaltlicher Prüfung durch die künftigen Nutzer. Eine Probemigration ohne fachliche Kontrolle belegt nur, dass der technische Vorgang durchläuft.