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Branche

Projektmanagement in der Energiebranche: Netze, Anlagen und Energiewende

Die Energiebranche baut die Infrastruktur für Jahrzehnte — und steht mitten im grössten Umbau ihrer Geschichte. Projekte verbinden lange Horizonte mit einem Umfeld, das sich laufend verändert.

7 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

Energieprojekte in der Schweiz sind geprägt von langen Laufzeiten, hohen Investitionen, Bewilligungsverfahren und vielen Anspruchsgruppen. Viele Energieversorger sind öffentlich beherrscht und unterstehen dem Beschaffungsrecht. Bewährt ist phasenorientiertes Vorgehen mit starkem Stakeholder- und Risikomanagement, ergänzt durch agile Ansätze für digitale Vorhaben wie Smart Metering oder Kundenportale.

Die Ausgangslage

Energieversorger, Netzbetreiber und Kraftwerksgesellschaften in der Schweiz setzen die Energiestrategie des Bundes um: Ausbau erneuerbarer Produktion, Verstärkung der Netze, Speicher, Elektromobilität, Digitalisierung der Messung und Abrechnung. Viele Unternehmen sind im Besitz von Kantonen oder Gemeinden, was Beschaffungsrecht und politische Aufmerksamkeit mit sich bringt.

Die Projekte sind entsprechend vielfältig — vom Bau eines Unterwerks über die Einführung intelligenter Zähler bis zur Erneuerung der Kundenabrechnung. Gemeinsam sind ihnen lange Laufzeiten, hohe Investitionen und eine grosse Zahl von Beteiligten ausserhalb des eigenen Unternehmens.

Typische Herausforderungen

  • Bewilligungsverfahren und Einsprachen mit schwer planbarer Dauer.
  • Öffentliche Beschaffung mit Fristen und Formvorschriften.
  • Viele Anspruchsgruppen: Behörden, Gemeinden, Grundeigentümer, Öffentlichkeit.
  • Betrieb der Versorgung muss jederzeit gesichert bleiben.
  • Digitalisierung neben dem klassischen Anlagengeschäft.

Passende Methoden

Infrastrukturvorhaben folgen einem strukturierten, phasenorientierten Vorgehen mit klaren Entscheidungspunkten vor jeder grossen Investitionsstufe. Stakeholder- und Risikomanagement haben dabei besonderes Gewicht. Digitale Projekte — Messdatenmanagement, Kundenportale, Energiedienstleistungen — werden zunehmend agil umgesetzt. Bei öffentlich beherrschten Unternehmen kommt häufig HERMES zum Einsatz oder dient als Vorlage für die eigene Methodik.

Flenio

Flenio behält über lange Laufzeiten den Überblick über Aufgaben, Termine und Beteiligte, mit Datenhaltung in der Schweiz beziehungsweise EU.

Bewilligungen als Terminrisiko Nummer eins

Bei Anlagen- und Netzprojekten sind Bewilligungs- und Einspracheverfahren oft der grösste Unsicherheitsfaktor. Ihre Dauer lässt sich kaum verlässlich planen. Erfolgreiche Projektleitende behandeln sie deshalb als eigenes Risiko mit Szenarien, binden Gemeinden und Grundeigentümer früh ein und planen Arbeiten so, dass möglichst viel bereits vor dem Bewilligungsentscheid vorbereitet werden kann, ohne unwiderrufliche Kosten auszulösen.

Erfolgsfaktoren aus der Praxis

Energieprojekte scheitern selten an der Technik, häufiger an Akzeptanz und Verfahren. Die folgenden Punkte haben sich in Schweizer Projekten dieser Branche bewährt:

  • Gemeinden und Grundeigentümer früh und regelmässig informieren.
  • Bewilligungsrisiken mit Szenarien planen.
  • Investitionsstufen an klare Entscheidungspunkte knüpfen.
  • Beschaffungsfristen in den Terminplan integrieren.
  • Betrieb und Unterhalt bereits in der Planung einbeziehen.

Werkzeuge und Datenhaltung

Werkzeuge müssen lange Laufzeiten, viele externe Beteiligte und die Verbindung von Bau- und IT-Projekten abbilden. Da Energieversorger zur kritischen Infrastruktur zählen, haben Informationssicherheit und Datenhaltung besonderes Gewicht — ein Kriterium, das in jede Evaluation gehört.

Erfolgsfaktoren in Energieprojekten

Bewilligungen und Einsprachen werden als eigenes Risiko mit Szenarien geführt, Gemeinden und Grundeigentümer früh eingebunden. Investitionsstufen sind an klare Entscheidungspunkte geknüpft, und bei öffentlich beherrschten Versorgern fliessen Beschaffungsfristen von Anfang an in die Planung ein.

Häufige Fragen

Welche Methode passt in der Energiebranche?
Phasenorientiertes Vorgehen mit starkem Stakeholder- und Risikomanagement für Infrastruktur, agile Ansätze für digitale Vorhaben. Öffentlich beherrschte Versorger nutzen häufig HERMES.
Warum sind Bewilligungen so kritisch?
Weil ihre Dauer kaum planbar ist. Sie werden als eigenes Risiko mit Szenarien geführt.
Gilt für Energieversorger das Beschaffungsrecht?
Für viele öffentlich beherrschte Unternehmen ja. Die Anwendbarkeit hängt von Eigentum und Tätigkeit ab und sollte im Einzelfall geklärt werden.