Ein Product Backlog ist nach Wert geordnet, nicht nach Eingang oder Thema. Die Detailtiefe nimmt nach unten ab: Die obersten Einträge sind so fein, dass sie im nächsten Sprint umsetzbar wären, die untersten bleiben grob. Für die Ordnung ist ausschliesslich der Product Owner verantwortlich.
Geordnet, nicht sortiert
Der wesentliche Unterschied zu einer gewöhnlichen Aufgabenliste: Das Backlog hat eine eindeutige Reihenfolge. Nicht Prioritätsstufen wie hoch, mittel, niedrig — eine Reihenfolge, in der jeder Eintrag genau eine Position hat.
Der Grund ist praktisch. Prioritätsstufen führen dazu, dass dreissig Einträge auf «hoch» stehen und die eigentliche Frage — was zuerst — unbeantwortet bleibt. Eine erzwungene Reihenfolge beantwortet sie. Sie ist unbequem, weil sie eine Entscheidung verlangt, und genau darin liegt ihr Wert.
Detailtiefe nimmt nach unten ab
| Position | Detailtiefe | Zustand |
|---|---|---|
| Oberste Einträge | Fein geschnitten, Akzeptanzkriterien vorhanden | Im nächsten Sprint umsetzbar |
| Mittlerer Bereich | Grob beschrieben, Umfang erkennbar | Refinement steht an |
| Untere Einträge | Stichwort oder Idee | Bewusst unbearbeitet |
Diese Abstufung ist Absicht. Einen Eintrag im Detail auszuarbeiten, der in acht Monaten umgesetzt wird, ist verlorener Aufwand — bis dahin haben sich die Anforderungen oder die Prioritäten geändert. Wer das gesamte Backlog auf gleichem Detailniveau pflegt, produziert Dokumentation für Einträge, die nie umgesetzt werden.
Refinement
Refinement ist die laufende Arbeit am Backlog: Einträge klären, aufteilen, schätzen, Akzeptanzkriterien ergänzen, Reihenfolge anpassen. Es ist kein Scrum-Ereignis mit fester Dauer, sondern eine kontinuierliche Tätigkeit — in der Praxis meist ein bis zwei Termine pro Sprint mit dem Team.
Der übliche Umfang liegt bei etwa fünf bis zehn Prozent der Teamkapazität. Deutlich weniger führt dazu, dass die Sprint-Planung zur Klärungssitzung wird und Stunden dauert. Deutlich mehr bedeutet, dass am Detail von Einträgen gearbeitet wird, die noch weit entfernt sind.
Wenn die Sprint-Planung regelmässig über zwei Stunden dauert, liegt das fast nie an der Planung selbst, sondern an ungeklärten Einträgen. Das Problem ist im Refinement zu lösen, nicht in der Planung.
Einträge schneiden
Ein Eintrag im oberen Bereich sollte in einem Sprint umsetzbar sein — bei zweiwöchigen Sprints also deutlich kleiner als zwei Wochen Arbeit. Grössere Einträge werden geteilt, und zwar entlang des Nutzens, nicht entlang der Technik.
Die Teilung nach technischen Schichten — «Datenbank», «Schnittstelle», «Oberfläche» — erzeugt Teile, die einzeln keinen Wert liefern. Erst wenn alle drei fertig sind, hat der Nutzer etwas davon. Die Teilung nach Nutzen erzeugt dagegen Teile, die jeweils für sich brauchbar sind: erst der Standardfall, dann die Sonderfälle, dann der Komfort.
Aufräumen
Backlogs wachsen. Nach zwei Jahren enthalten sie hunderte Einträge, von denen die unteren nie umgesetzt werden. Das ist kein Verwaltungsproblem, sondern ein Wahrnehmungsproblem: Ein Backlog mit vierhundert Einträgen wird nicht mehr durchgesehen, und relevante Einträge im unteren Bereich verschwinden faktisch.
Eine pragmatische Regel: Was seit zwölf Monaten unverändert im unteren Drittel steht, wird gelöscht. Was tatsächlich wichtig ist, kommt zurück — meist innerhalb weniger Wochen und dann mit aktueller Begründung. Diese Bereinigung ist unbequem und der Unterschied zwischen einem Arbeitsinstrument und einem Archiv.
Häufige Fragen
- Wie ordnet man ein Product Backlog?
- Nach Wert, in einer eindeutigen Reihenfolge — nicht nach Prioritätsstufen wie hoch, mittel, niedrig. Prioritätsstufen führen dazu, dass viele Einträge auf «hoch» stehen und die eigentliche Frage, was zuerst kommt, unbeantwortet bleibt.
- Wie viel Zeit sollte Backlog-Refinement beanspruchen?
- Etwa fünf bis zehn Prozent der Teamkapazität, meist in ein bis zwei Terminen pro Sprint. Deutlich weniger führt dazu, dass die Sprint-Planung zur Klärungssitzung wird und Stunden dauert.
- Wie teilt man zu grosse Backlog-Einträge?
- Entlang des Nutzens, nicht entlang der Technik. Eine Teilung in Datenbank, Schnittstelle und Oberfläche erzeugt Teile ohne eigenständigen Wert. Eine Teilung in Standardfall, Sonderfälle und Komfort erzeugt jeweils brauchbare Ergebnisse.