Die Definition of Ready (DoR) ist eine vereinbarte Checkliste, wann eine Aufgabe startklar ist: ausreichend verstanden und beschrieben, mit klaren Akzeptanzkriterien, ohne blockierende offene Fragen, abgeschätzt und klein genug für den Sprint. Sie verhindert, dass unklare Aufgaben in den Sprint rutschen und ihn blockieren. Die Kunst ist die Balance: genug Klarheit für einen reibungslosen Start, ohne in Überregulierung und Vorab-Perfektionismus zu verfallen.
Das Problem: unklare Aufgaben im Sprint
Ein häufiges Sprint-Problem: Eine Aufgabe wird begonnen, und erst dann zeigt sich, dass Wesentliches fehlt — die Anforderung ist unklar, eine nötige Information nicht da, eine Abhängigkeit ungelöst, die Akzeptanzkriterien fehlen. Die Aufgabe blockiert, das Team wartet auf Klärung, der Sprint gerät ins Stocken. Die Ursache liegt vor dem Sprint: Die Aufgabe hätte nie in den Sprint gehen dürfen, weil sie nicht startklar war. Genau hier setzt die Definition of Ready an — sie ist die vereinbarte Latte, die eine Aufgabe überspringen muss, bevor sie in einen Sprint aufgenommen werden darf. Sie verlagert die Klärungsarbeit dorthin, wo sie hingehört: vor den Sprint, in die Backlog-Pflege, wo Zeit für Klärung ist — statt in den Sprint, wo sie ihn blockiert. Die DoR ist damit ein einfaches, aber wirksames Werkzeug gegen einen der häufigsten Sprint-Störer.
Was eine Aufgabe startklar macht
- Ausreichend verstanden und beschrieben: Das Team versteht, worum es geht und warum — nicht bis ins letzte Detail, aber genug, um sinnvoll zu beginnen.
- Klare Akzeptanzkriterien: Es ist definiert, woran man erkennt, dass die Aufgabe fertig und richtig erledigt ist — die Grundlage für die spätere Prüfung.
- Keine blockierenden offenen Fragen: Wesentliche Unklarheiten und Abhängigkeiten sind geklärt; es gibt keinen bekannten Grund, der den Start verhindern würde.
- Abgeschätzt und angemessen gross: Die Aufgabe ist geschätzt und klein genug, um im Sprint erledigt zu werden — zu grosse Aufgaben werden vorher zerlegt.
Eine praktikable DoR aufstellen
- 01Gemeinsam im Team definierenDie DoR ist eine Team-Vereinbarung, kein von aussen auferlegtes Regelwerk — das Team legt fest, was es braucht, um gut starten zu können. Nur eine selbst vereinbarte DoR wird auch gelebt.
- 02Schlank haltenWenige, wesentliche Kriterien statt einer langen Checkliste. Die DoR soll den Start erleichtern, nicht durch Vorab-Bürokratie erschweren. Was wirklich blockieren würde, gehört rein; nice-to-have nicht.
- 03In der Backlog-Pflege anwendenDie DoR wird in der Verfeinerung des Backlogs geprüft — Aufgaben werden dort startklar gemacht, bevor sie ins Sprint-Planning kommen. So ist beim Planning bereits klar, was aufnahmefähig ist.
- 04Anpassen mit der ErfahrungWenn im Sprint doch Aufgaben blockieren, zeigt die Retrospektive, was in der DoR fehlt; wenn die DoR zu bürokratisch wird, wird sie verschlankt. Sie ist ein lebendes Werkzeug, kein starres Gesetz.
Die Balance: Klarheit ohne Perfektionismus
Die grösste Gefahr der Definition of Ready ist die Überregulierung: Wenn die DoR zu streng wird, verlangt sie faktisch eine vollständige Vorab-Spezifikation jeder Aufgabe — und untergräbt damit genau die Agilität, der sie dienen soll. Das ist der Rückfall in den Wasserfall durch die Hintertür: Alles muss bis ins Detail geklärt sein, bevor irgendetwas beginnt. Das ist nicht der Sinn der DoR. Sie soll sicherstellen, dass eine Aufgabe gut startbar ist — nicht, dass jede Frage vorab beantwortet ist. Agilität lebt davon, dass manches erst im Tun geklärt wird; die DoR zieht nur die Grenze, dass keine blockierenden Unklarheiten den Start verhindern. Die richtige Balance ist: genug Klarheit, um ohne sofortiges Steckenbleiben zu beginnen, aber offen genug, um im Sprint noch zu lernen und anzupassen. Praktisch heisst das: Die DoR fragt «können wir sinnvoll starten?», nicht «ist alles vorab entschieden?». Wer diese Balance hält, hat mit der DoR ein Werkzeug, das Sprints reibungsloser macht, ohne die Agilität zu ersticken. Wer sie überzieht, hat nur die Vorab-Planung des Wasserfalls agil umbenannt.
Der DoR-Test für jede Aufgabe vor dem Sprint: «Können wir damit sinnvoll beginnen, ohne sofort an einer fehlenden Info oder ungelösten Frage steckenzubleiben?» Wenn ja, ist sie ready. Wenn nein, gehört sie erst in die Backlog-Pflege — nicht in den Sprint.
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Häufige Fragen
- Ist die Definition of Ready offizieller Teil von Scrum?
- Nein — anders als die Definition of Done ist die DoR kein offizielles Scrum-Artefakt, sondern eine verbreitete, nützliche Ergänzung, die viele Teams eingeführt haben. Das heisst nicht, dass sie schlechter ist; es heisst nur, dass sie optional ist und das Team selbst entscheidet, ob und wie es sie nutzt.
- Was ist der Unterschied zwischen Definition of Ready und Definition of Done?
- Die DoR sagt, wann eine Aufgabe startklar ist (bevor sie in den Sprint kommt); die Definition of Done sagt, wann eine Aufgabe fertig ist (bevor sie als erledigt gilt). Die eine ist die Eingangs-, die andere die Ausgangslatte. Beide schaffen gemeinsame Klarheit — am Anfang und am Ende der Aufgabenbearbeitung.
- Was, wenn wichtige Aufgaben die DoR nie erfüllen?
- Dann ist entweder die DoR zu streng oder es fehlt die Klärungsarbeit im Backlog. Bei echten Forschungs- oder Erkundungsaufgaben, die naturgemäss unklar sind, ist ein zeitlich begrenzter Spike mit klarem Erkenntnisziel die Lösung — die Aufgabe ist dann nicht «vollständig geklärt», aber ihr Startzustand (Zeitbox, Ziel) ist ready. Die DoR muss zur Art der Arbeit passen.