OKR verbindet ein qualitatives Ziel (Objective) mit messbaren Ergebnissen (Key Results) und misst Wirkung, nicht Leistung. Für Projekte eignet es sich auf der Wirkungsebene — als Ersatz für Meilensteine oder Arbeitspakete ist es ungeeignet, weil Key Results keine Liefergegenstände sind.
Was OKR ist
OKR steht für Objectives and Key Results. Ein Objective ist ein qualitativ formuliertes Ziel, das Richtung gibt und motiviert. Die zugehörigen Key Results — üblicherweise zwei bis fünf — sind messbare Aussagen darüber, woran die Erreichung des Ziels erkennbar wäre. Zyklus ist meist ein Quartal.
| Element | Charakter | Beispiel |
|---|---|---|
| Objective | Qualitativ, richtungsgebend | Anträge werden für Bürgerinnen spürbar einfacher |
| Key Result 1 | Messbar, Ergebnis nicht Aktivität | Durchschnittliche Bearbeitungszeit von 12 auf 5 Tage |
| Key Result 2 | Messbar | Anteil vollständig digital eingereichter Anträge auf 70 % |
| Key Result 3 | Messbar | Rückfragequote je Antrag von 0.8 auf unter 0.3 |
Der entscheidende Unterschied zu Meilensteinen
Ein Key Result beschreibt eine Wirkung, ein Meilenstein einen Liefergegenstand. «System in Betrieb» ist ein Meilenstein; «Bearbeitungszeit auf 5 Tage gesenkt» ist ein Key Result. Man kann das System pünktlich in Betrieb nehmen und die Bearbeitungszeit trotzdem verfehlen — genau diese Lücke sichtbar zu machen, ist der Zweck von OKR.
Daraus folgt aber auch die Grenze. Ein Projektteam kann die Lieferung steuern, die Wirkung nur beeinflussen. Wenn Key Results zur Leistungsbeurteilung des Teams werden, entsteht der Anreiz, sie konservativ zu setzen — womit das System seinen Zweck verliert. OKR funktioniert nur, wenn ambitionierte Ziele erlaubt sind und Zielverfehlung kein Vorwurf ist.
Key Results, die Aktivitäten beschreiben: «Schulungskonzept erstellt», «drei Workshops durchgeführt». Das sind Meilensteine mit OKR-Etikett. Ein Key Result muss eine Zustandsänderung in der Welt beschreiben, nicht eine erledigte Aufgabe.
Wo OKR in Projekten funktioniert
- Auf der Wirkungsebene, parallel zu klassischen Meilensteinen — OKR beantwortet den Nutzen, Meilensteine die Lieferung.
- In Vorhaben ohne festen Umfang, wo das Ziel klar und der Weg offen ist.
- Bei Produktentwicklung, wo Marktreaktion und nicht Fertigstellung das Erfolgsmass ist.
- In der Phase nach der Einführung, wenn das Projekt endet und die Wirkung noch nachzuweisen ist.
Der letzte Punkt ist der unterschätzteste. Projekte enden mit der Übergabe, die Wirkung zeigt sich Monate später — und wird deshalb nie gemessen. Ein OKR-Zyklus über die Einführung hinaus schliesst genau diese Lücke, und zwar mit der Organisation als Träger statt mit dem aufgelösten Projektteam.
Wo OKR nicht passt
Bei Vorhaben mit fixem Umfang und fixem Termin — regulatorische Umsetzungen, Migrationen, Beschaffungen — bringt OKR wenig. Dort ist nicht die Wirkung die offene Frage, sondern die termingerechte Lieferung. Ein OKR-System darüberzulegen erzeugt Aufwand ohne Erkenntnisgewinn.
Ebenso ungeeignet ist OKR als Ersatz für Arbeitsplanung. Key Results sagen nicht, wer was bis wann tut. Wer OKR als Projektplan verwendet, hat weder ein Zielsystem noch eine Planung — dieser Fehler ist bei Organisationen verbreitet, die OKR als Modernisierung eingeführt haben.
Zusammenspiel in der Praxis
Die tragfähige Konstellation ist zweischichtig. Die Organisation führt OKR auf Quartalsebene und formuliert die angestrebte Wirkung. Das Projekt liefert dazu bei und führt intern Meilensteine, Arbeitspakete und Termine. Die Verbindung entsteht über den Bezug: Das Projektergebnisziel zahlt auf ein bestimmtes Key Result ein.
Diese Verknüpfung explizit zu machen hat einen praktischen Nutzen jenseits der Systematik: Sie beantwortet die Frage nach der Priorität. Wenn Ressourcen knapp werden, ist das Projekt vorzuziehen, das auf ein Key Result mit hoher Bedeutung einzahlt — und diese Begründung ist nachvollziehbarer als die übliche Rangfolge nach Lautstärke.
Häufige Fragen
- Was bedeutet OKR?
- Objectives and Key Results. Ein Objective ist ein qualitativ formuliertes Ziel, die zwei bis fünf Key Results sind messbare Aussagen darüber, woran die Zielerreichung erkennbar wäre. Der Zyklus umfasst üblicherweise ein Quartal.
- Ersetzt OKR den Projektplan?
- Nein. Key Results beschreiben Wirkungen, nicht Liefergegenstände, und sagen nicht, wer was bis wann tut. OKR ergänzt die Projektplanung auf der Wirkungsebene, ersetzt aber weder Meilensteine noch Arbeitsplanung.
- Was ist der Unterschied zwischen Key Result und Meilenstein?
- Ein Meilenstein beschreibt einen Liefergegenstand («System in Betrieb»), ein Key Result eine Wirkung («Bearbeitungszeit auf 5 Tage gesenkt»). Man kann den Meilenstein pünktlich erreichen und das Key Result trotzdem verfehlen — diese Lücke sichtbar zu machen ist der Zweck von OKR.