Zum Inhalt springen
projekttools.ch
Ratgeber

KI in der Projektplanung: sinnvolle Unterstützung, klare Grenzen

«Erstell mir einen Projektplan» ist ein verlockender Prompt — und ein irreführender. KI unterstützt die Projektplanung an konkreten Stellen wirksam, aber sie plant nicht: Planung ist Denkarbeit mit Verantwortung, und die bleibt beim Menschen.

8 Min. LesezeitVon Leutrim Miftaraj
Kurz gesagt

KI unterstützt Projektplanung punktuell: beim Strukturieren (aus Zielbeschreibung erste Arbeitspaket-Gliederungen ableiten), beim Aufdecken (vergessene Aufgaben, Abhängigkeiten und Risiken erfragen), beim Schätzeinstieg (Referenzwerte und Fragen liefern) und beim Formulieren (Pläne dokumentieren). Sie ersetzt weder die kontextabhängige Aufwandsschätzung noch die Priorisierung noch die Verantwortung für den Plan — der KI-Entwurf ist Rohmaterial, kein Plan.

Was «KI plant das Projekt» wirklich bedeutet

Wer KI bittet, einen Projektplan zu erstellen, bekommt etwas Beeindruckendes und Gefährliches zugleich: eine plausibel aussehende, generische Struktur, die weder das konkrete Vorhaben noch dessen Kontext, Kapazität oder Risiken kennt. Als Ausgangspunkt ist das wertvoll — als Plan ist es Blendwerk. Der Unterschied ist derselbe wie überall beim KI-Einsatz: Die KI liefert einen Rohentwurf auf Basis von Mustern, der Mensch macht daraus einen tragfähigen Plan auf Basis von Wissen. Planung heisst nämlich nicht, eine Struktur zu erzeugen, sondern die richtigen Entscheidungen über Umfang, Reihenfolge, Ressourcen und Risiken zu treffen — und diese Entscheidungen kann nur treffen, wer das konkrete Projekt und seine Organisation kennt.

Die wirksamen Einsatzmuster

  1. 01
    Struktur-ErstentwurfAus einer Zielbeschreibung eine erste Arbeitspaket-Gliederung oder einen groben Phasenvorschlag generieren lassen — als Denkanstoss und Checkliste gegen Vergessenes, nicht als fertige Struktur. Der Wert: Man startet nicht beim leeren Blatt.
  2. 02
    Vollständigkeits-CheckKI gezielt fragen: «Welche Aufgaben, Abhängigkeiten und Vorleistungen werden bei einem Vorhaben dieser Art oft vergessen?» Die Antworten sind ein gutes Prüfraster — die Entscheidung, was zutrifft, bleibt menschlich.
  3. 03
    Risiko-BrainstormingErste Risikolisten generieren lassen und dann fachlich bewerten und ergänzen. KI ist gut darin, breit aufzufächern; die Priorisierung nach realer Eintrittswahrscheinlichkeit und Wirkung ist Kontextarbeit.
  4. 04
    Dokumentation und FormulierungDen erarbeiteten Plan sauber ausformulieren, Beschreibungen von Arbeitspaketen entwerfen, Annahmen verschriftlichen. Hier spart KI echte Fleisszeit ohne inhaltliches Risiko.

Wo die Grenze verläuft: Schätzung und Priorisierung

Bei zwei Kernaufgaben der Planung ist Vorsicht Pflicht. Aufwandsschätzung: KI kann Referenzwerte und Schätzfragen liefern, aber keine belastbare Schätzung für ein konkretes Vorhaben — dafür fehlen ihr die entscheidenden Grössen (die reale Teamkapazität, die spezifische Komplexität, die Erfahrung mit ähnlichen Projekten in genau dieser Organisation). Eine KI-generierte Stundenzahl trägt die Autorität einer Zahl, ohne ihre Grundlage — das ist gefährlicher als gar keine Zahl. Priorisierung: Was zuerst gemacht wird, hängt an Wert, Strategie, Abhängigkeiten und Politik — Faktoren, die die KI nicht kennt und nicht gewichten darf. Sie kann Priorisierungsmethoden erklären und Fragen strukturieren; die Gewichtung selbst ist eine Verantwortungsentscheidung. Faustregel: KI für das Auffächern und Formulieren, Mensch für das Schätzen, Gewichten und Entscheiden.

Der richtige Prozess

Produktiv ist die Reihenfolge Mensch–KI–Mensch: Erst das eigene Denken (Ziel, grobe Struktur, bekannte Rahmenbedingungen), dann KI als Verstärker (Vollständigkeit prüfen, Risiken auffächern, ausformulieren), dann wieder der Mensch (schätzen, priorisieren, entscheiden, verantworten). Wer umgekehrt startet — KI generiert den Plan, Mensch prüft grob — übernimmt die generischen Annahmen des Modells und merkt die Lücken erst im Projekt. Und der Datenschutz gilt auch hier: Konkrete Projektinhalte, Kundendaten oder interne Details gehören nur in Dienste mit geklärter Verarbeitung. Für die meisten Planungs-Anwendungsfälle reicht es ohnehin, abstrakt zu fragen («ein Vorhaben dieser Art») statt vertrauliche Details preiszugeben.

Faustregel

Der Umgang mit jedem KI-Planungsoutput in einem Satz: behandeln wie den Entwurf einer motivierten, aber projektfremden Praktikantin — wertvoll als Startpunkt und Checkliste, niemals als fertiges, verantwortetes Ergebnis.

Häufige Fragen

Kann KI kritische Pfade oder Abhängigkeiten berechnen?
Struktur-Logik erklären und Abhängigkeiten vorschlagen: ja. Verlässlich berechnen für ein reales Projekt: nur, wenn die Daten sauber eingegeben sind — und dann rechnet die Methode, nicht die KI. Für echte Terminnetze und kritische Pfade sind dedizierte Planungswerkzeuge zuverlässiger als generative Modelle.
Sind KI-Schätzungen besser als gar keine?
Nicht zwingend — eine autoritativ wirkende, aber grundlose Zahl kann schlechter sein als eine bewusste Bandbreite, weil sie Scheinsicherheit erzeugt. KI-Referenzwerte taugen als einer von mehreren Ankern neben Analogie und Team-Schätzung, nie als alleinige Grundlage einer Zusage.
Lohnt sich KI-Planung für kleine Projekte?
Für den Struktur- und Vollständigkeits-Check durchaus — gerade wo Erfahrung fehlt, ist die generierte Checkliste hilfreich. Der Aufwand ist minimal, der Nutzen ist das Nicht-Vergessen. Die Schätz- und Priorisierungsdisziplin bleibt aber auch im Kleinen menschlich.